Marius Müller-Westernhagen: Wegwerfunterhaltung bremst wirkliche Künstler aus
Vorabmeldung der Ausgabe Nr. 19 vom 6. Mai 2010
Der Sänger und Schauspieler Marius Müller-Westernhagen, 61, hat in der ZEIT den Abschied von langweiligen Kompromissen in Radio und Fernsehen gefordert. „Unterhaltung hat nach meiner Auffassung auch einen kulturellen Auftrag“ schrieb der Musiker. „Wenn sie den negiert, dient sie nur der Volksverdummung.“
„Die Methoden der Erfolgsmessung elektronischer Medien haben den Aufstieg der Wegwerfunterhaltung begünstigt“, erklärte Müller-Westernhagen. Er verurteile Unterhaltungsanbieter, die in ihrem Profitdenken „entweder auf Gleichförmigkeit oder Voyeurismus und Schadenfreude zugunsten von kurzfristiger Quote“ setzten. Das Unterhaltungsangebot werde von erfolgreichen, aber verantwortungslosen TV-Shows, musikalischem „Top-Ten-Terror“ und inflationären
Award-Shows dominiert. „Bei einem derart auf das schnelle Geld ausgerichteten Denken bleibt die Ethik auf der Strecke.“
Für die Entwicklung von Künstler-Persönlichkeiten bliebe unter solchen Bedingungen keine Zeit mehr, befürchtet Müller-Westernhagen: „Ich bin davon überzeugt: Wenn eine Branche, in der es auf Kreativität, Intuition, Authentizität, aber auch auf Empathie und Liebe zur Materie ankommt, nur auf den pflegeleichten, biegbaren, nicht polarisierenden Typ setzt, also auf Everybody’s Darling, werden viele großartige Künstler auf der Strecke bleiben und verzweifeln.“
Hamburg 05. Mai 2010zurück zur Übersicht
