Karl Lagerfeld: „Ich bin intellektueller Opportunist“
Vorabmeldung der Ausgabe Nr. 36 vom 2. September 2010
Karl Lagerfeld glaubt fest an die Zukunft der Haute Couture: „Früher gab es gute Kunden, die kamen aus Amerika, die kauften vier, fünf Kleider“, sagte Lagerfeld dem ZEITmagazin. „Heute sind das junge Frauen aus allen Teilen der Welt, von Afrika bis Südamerika, China, Korea, die kommen und kaufen 20 Kleider.“ Viele von ihnen kämen dafür allerdings nicht mehr nach Paris: „Die lassen kommen: Die probieren die Sachen gar nicht an, die lassen sie sich im Privatjet nach Hause fliegen.“ Die von früher vertraute Haute Couture, sagte Lagerfeld, sei fast verschwunden: „Nach Paris fahren, bei Chanel die Maße nehmen lassen, das machen nur noch ein paar Leute.“
Die Veränderungen machen Lagerfeld nicht zu schaffen: „Ich bin intellektueller Opportunist, ich trauere nicht Sachen nach, nur weil ich mich daran gewöhnt habe.“ Früher sei Haute Couture etwas gewesen für „dicke Damen, die nichts fanden, die mussten sich die Dinge anfertigen lassen“. Die neuen Kundinnen seien „Frauen, die die gleiche Figur haben wie die Mannequins“. Lagerfeld: „Es ist schön, Couture zu tragen, und sie zu machen ist eine schönere Arbeit als am Fließband. Solange ich Chanel mache, wird es die Haute Couture geben.“
Hamburg 01. September 2010zurück zur Übersicht
