Viele Halluzinationen sind ganz normal | 28.08.2008
Der Psychologe und Wahnforscher Erich Kasten hält die meisten Halluzinationen für Alltagsphänomene. Nur ein Bruchteil der Betroffenen sei tatsächlich psychotisch oder schizophren, erklärt Kasten in der aktuellen Ausgabe von ZEIT WISSEN. „Nicht nur einsame ältere Menschen kennen Trugwahrnehmungen“, so Kasten, „sondern auch Kinder – viele haben imaginäre Spielkameraden und sehen diese regelrecht.“
Manchen Betroffenen empfehle er daher sogar, zu versuchen, ihre Halluzinationen als besondere Fähigkeit zu genießen, sagt der Experte. „Denn wer jedes Mal furchtbare Panik bekommt, wenn er halluziniert, wird wahrscheinlich schon allein deshalb psychisch krank. Sagt man den Betroffenen aber, dass Halluzinationen meist harmlos sind und fast jeder schon welche hatte, regen sich die meisten wieder ab. Sie nehmen die Trugbilder weniger wichtig, sodass sie weniger bösartig wirken und gerade deshalb oft wieder verschwinden.“
Die Ursache für Halluzinationen sei der Mangel an neuem Input für das Gehirn, erklärt Kasten. Der Geist habe nicht genügend zu arbeiten, wodurch die in jedem Gehirn vorhandenen Trugbilder nicht mehr ausreichend gehemmt würden. „Spontanimpulse von Nervenzellen breiten sich aus, und dann können die verrücktesten Bilder zum Vorschein kommen“, sagt Kasten.
Kasten, der neben einer Praxis für Psychotherapie eine Professur am Universitätsklinikum Lübeck inne hat, stützt seine Aussagen auf die Auswertung seiner über zehn Jahre hinweg gesammelten Patientenberichte über Wahnvorstellungen.
Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage das komplette Interview zu. Die aktuelle Ausgabe ZEIT WISSEN Nr. 5 / 2008 ist seit dem 13. August im Handel erhältlich.
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