Richard Sennett kritisiert praxisbezogene Studiengänge: „Das ist eine fürchterliche Art, ein Bildungssystem zu organisieren“ | 13.06.2008
Der amerikanische Soziologe Richard Sennett kritisiert in der neuen Ausgabe von ZEIT CAMPUS, dass es in England und den USA immer mehr praxisbezogene Studiengänge wie zum Beispiel Hotelmanagement gebe:
„Solche Ausbildungen sind genauso wie die späteren Jobs. Das ist eine fürchterliche Art, ein Bildungssystem zu organisieren. Man muss viel grundsätzlichere Dinge lernen. Sie sollten an der Universität erst ein guter Wissenschaftler werden und dann schauen, wie Sie damit durch die Wirtschaft schwimmen können“, so Sennett.
Sennett bemängelt außerdem, dass die Organisation der Arbeit es nicht mehr zulasse, „wirklich profunde Dinge zu lernen“. Schuld hieran sei die Tatsache, dass „die lebenslange Anstellung durch viele kurze Jobs abgelöst“ werde. „Viele Firmen investieren nicht mehr in die langfristige Entwicklung ihrer Angestellten. Es ist billiger, einen Mitarbeiter mit den im Moment benötigten Qualifikationen kurzfristig einzustellen, als einen anderen langfristig aufzubauen“, so Sennett. Diese „Ahnungslosigkeit“ korrumpiere den Charakter: „Sie spüren, das Sie nichts Handfestes in sich haben. Sie fühlen sich unbeständig, unruhig, unsicher.“
Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage das komplette Interview mit Richard Sennett zu.
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