Mario Adorf in ZEIT CAMPUS:„Die Mensa war für mich ein Luxusrestaurant“ | 12.10.2007
Mario Adorf lebte zu Studentenzeiten sehr sparsam, das verrät er in der aktuellen Ausgabe von ZEIT CAMPUS: „Die Mensa war für mich ein Luxusrestaurant, das Essen dort konnte ich mir nicht leisten. Wir lebten von der sogenannten Hoover-Speisung. Ein kleiner Trampelpfad auf dem Unigelände führte zur Gulaschkanone, und wenn die anderen Studenten einem auf dem Weg entgegenkamen, riefen sie: ‚Was es gibt, ihr könnt es raten / wieder Nudeln mit Tomaten!’“
Neben dem Studium jobbte Adorf deshalb bei der Schulspeisung: „Ich musste Carepakete mit Biskuits auspacken, und aus der Hälfte davon sprangen mir Mäuse entgegen. Ich sollte sie töten. Ich sagte: Das kann ich nicht. Es dauerte zwei Stunden, dann konnte ich es. Ich habe gesungen und gepfiffen und Mäuse erschlagen.“
Die Erinnerung hat auch seine Einstellung zum Bösen geprägt: „Die meisten Menschen können töten lernen“, so Adorf in ZEIT CAMPUS. Gerade das Böse sei „besonders menschlich“, es stecke „in verschiedenen Formen in uns drin, mehr noch als das Gute.“ Deshalb habe er auch immer gerne den Bösewicht gespielt: „Für mich war ein Held immer ein wenig dumm. Wagemut, Gehorsam, das Soldatische waren für mich keine richtigen Tugenden, sondern Fehler.“
Adorf spricht in ZEIT CAMPUS über den Wert von Lebenserfahrungen. Trotz seines Alters, sagt Adorf, sei er nicht weiser geworden. „Ich bezweifle, dass man gescheiter wird mit den Jahren. Ich sehe mich mit den gleichen Fehlern wie mit 20.“ Auch den Satz „Früher war alles besser“, würde Adorf nicht unterschreiben wollen: „Ich wehre mich gegen diese Attitüde des alten Mannes. Auch gegen die typische Redewendung: ,Zu meiner Zeit…!’ Was soll das heißen? Wer ,zu meiner Zeit’ sagt, ist längst tot.“
Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage das komplette Interview zu. Die neue Ausgabe von ZEIT CAMPUS ist seit dieser Woche im Handel erhältlich.
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