Fall Guttenberg: Hochschulexperten fordern weitreichende Konsequenzen für die Wissenschaft | 20.04.2011
Die Wissenschaft müsse endlich ernsthafte Konsequenzen aus dem Fall Guttenberg ziehen, forderten Hochschulexperten auf dem 41. ZEIT FORUM WISSENSCHAFT in Berlin. Es dürfe nicht sein, dass der Doktorvater gleichzeitig der Erstgutachter einer Doktorarbeit sei, mahnte der Bielefelder Wissenschaftssoziologe Peter Weingart. Auch müssten die Universitäten der Inflation der Titel und deren Bestnoten dringend entgegen wirken.
Für eine Abschaffung der Noten bei Doktorarbeiten sprach sich auch Ernst-Ludwig Winnacker aus. Der langjährige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft steht heute an der Spitze des europäischen Human Science Frontier Program. Den Fall Guttenberg bezeichnete er als „Debakel für die Bayreuther Promotionskommission“ und empfahl, sich an kleineren europäischen Staaten wie Belgien und den Niederlanden zu orientieren und internationale Gutachter einzusetzen.
„Eine Doktorarbeit muss das Ziel haben, zum Fortschritt der Wissenschaft beizutragen“, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Wolfgang Marquardt. Er plädiert etwa in der Medizin für eine Differenzierung, wie sie der Rat schon vor einigen Jahren vorgeschlagen hatte: Einen Medical Doctor (MD) als Titel für das Türschild, den Dr. med. als Ausweis wissenschaftlicher Qualität.
„Wir müssen neue Formen von Promotionsverfahren erproben“, bekräftigte Sabine Kunst, die kürzlich von der Spitze der Universität Potsdam als Wissenschaftsministerin in die Regierung von Brandenburg gewechselt ist.
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